Josef Myslivecek (1737-1781) gehörte zu den bedeutendsten Künstlerrn der tschechtischen Musikemigration des 18. Jahrhunderts. Er wurde am 9. März 1737 in der Nähe von Prag als Sohn eines Müllers geboren. Nach Beendigung seiner Studien im Jesuitenseminar führte er den elterlichen Betrieb weiter, überließ ihn aber nach dem Tod seines Vaters seinem Bruder, um sich ganz der Musik widmen zu können. Schon damals widmete er sich mit großer Hingabe der Musik, machte als Violinkünstler von sich reden und studierte schließlich Komposition. Der große Erfolg seiner 6 Sinfonien bewog ihn nach Italien zu reisen, wo er sein in Prag begonnenes Studium, 1763 in Venedig fortsetzte. Schon ein Jahr später hatte er mit seiner ersten Oper in Parma großen Erfolg, der ihm zeitlebens treu blieb und an den Hof nach Neapel führte, wo er „il divino boemo“ (der göttliche Böhme) genannt wurde. Von hier aus breitete sich sein Ruhm weiter aus. In Bologna, Florenz, Venedig, Turin, Mailand, München, Wien und Rom wurden seine Opern begeistert aufgenommen. Seine Instrumentalwerke erschienen im Druck in London, Paris, Amsterdam, Nürnberg und Offenbach. Das an Erfolgen so reiche, aber ausschweifend und verschwenderisch geführte Leben Mysliveceks endete allerdings in Siechtum und Armut 1781 in Rom.
Myslivecek schrieb auch Vokalkompositionen, Kantaten, Oratorien, Sinfonien und Instrumentalkonzerte, darunter 2 Flötenkonzerte und mehrere Trios für Flöte, Violine und Cello, sowie für 2 Flöten und Cello.
Sein Stil wird zutreffend als „mozartisch“ bezeichnet, wobei aber nicht zu übersehen ist, dass Mozart erst vier Jahre alt war, als Mysliveceks erstes Werk im Druck erschien.
Beide Musiker waren miteinander befreundet. Mozart beurteilte seine Sonaten so: „…sie sind ganz leicht und gut ins gehör…denn das sind Sonaten, welche den Leuten gefallen müssen… und aufsehen machen“.
Als Quelle dieser Neuausgabe der 4 Trios oder Sonaten für Flöte, Violine und Violoncello diente eine Partitur, die vom Tschechischen Verlag Supraphon aus dem Jahr 1978 veröffentlicht wurde. Einige offensichtliche Fehler in der Partitur wurden stillschweigend berichtigt.
Wolfgang Kossack, im September 2026